Krank zur Arbeit

Trotz Schnupfnase zur Arbeit?

Gliederschmerzen, hohes Fieber, Kopfweh - die Grippewelle rollt auf Deutschland zu. Viele Arbeitnehmer gehen dennoch krank zur Arbeit. Um jeden Preis sollte sich aber niemand ins Büro oder in die Werkhalle schleppen. Im eigenen Sinne und in dem der Kollegen. Wir haben zusammengefasst, was Arbeitnehmer beachten sollten. 

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Wer krank zur Arbeit geht, tut sich und seinen Kollegen keinen Gefallen.
  • Von: Katrin Schreiter

Der Kopf brummt, dazu kommen Fieberschübe, Schüttelfrost und Hustenanfälle. Der Arzt hat empfohlen, das Bett zu hüten. Aber nun hat der Chef angerufen und gesagt, dass alles im Betrieb drunter und drüber gehe. Den Kollegen würde das Wasser bis zum Hals stehen und das neue Projekt drohe zu kippen. Eigentlich ist man noch nicht wieder gesund genug zum Arbeiten, will aber einen guten Eindruck machen. Also Hustensaft und Tabletten geschluckt und los geht’s – ab zur Arbeit. Irgendwie wird es schon gehen . . .

Pflichtgefühl und Arbeitseifer, die steigende Verantwortung in kleineren Teams, erhöhte Anforderungen an die Unternehmen, Kürzungen, die Wirtschaftskrise, häufig die Sorge um den Job: Unterschiedlichste Gründe lassen Millionen von Beschäftigten jedes Jahr trotz Krankschreibung am Arbeitsplatz erscheinen. Rund ein Drittel sogar gegen den ausdrücklichen Rat des Arztes.

Dieses Phänomen ist mittlerweile so verbreitet, dass es sogar schon einen eigenen Fachbegriff hat: "Präsentismus" lautet er. Doch darf man eigentlich zur Arbeit gehen, wenn der Arzt eine Krankschreibung ausgestellt hat? Die Antwort ist schnell gegeben: Ja, man darf.

Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen ist eine "vorzeitige Arbeitsaufnahme jederzeit möglich",sagt Wolfgang Buschfort, Pressesprecher der Knappschaft Krankenkasse. „Eine Absprache  mit dem Arzt oder eine besondere Bescheinigung sind dafür nicht erforderlich. Der Arbeitnehmer ist letztendlich selbst für seinen Gesundheitszustand verantwortlich.“ Die Krankschreibung beinhalte nur eine Prognose über die voraussichtliche Dauer der Erkrankung. Sie bedeute keinesfalls ein Beschäftigungsverbot.

Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung), umgangssprachlich auch „Gelber Schein“ genannt, muss also nicht zwingend voll ausgeschöpft werden. Das sieht auch Fenimore von Bredow, Fachanwalt für Arbeitsrecht, so: „Ärzte können nicht beurteilen, ob jemand gesund ist. Sie können lediglich beurteilen, ob er krank ist“, sagt der Arbeitsrechtsexperte.

Es sei also keinem untersagt, dass er vor Ablauf der Krankschreibung wieder arbeiten geht – außer, es besteht eine hochinfektiöse Krankheit. „Sobald man sich selber wieder arbeitsfähig fühlt, ist man auch arbeitsfähig“, sagt der Anwalt. „Der Versicherungsschutz besteht weiterhin fort.

Dies gilt auch dann, wenn sich der Gesundheitszustand anschließend wieder verschlechtern sollte.“ So oder so ist natürlich jeder für sich verantwortlich: Wer sich nach Ablauf der Krankschreibung noch nicht wieder gesund fühlt, geht deshalb am besten erneut zum Arzt.

Bei einer vorzeitigen Arbeitsaufnahme rät Fenimore von Bredow, die Chefs vorab zu informieren. Sollte es dann auf dem Weg zur Arbeit zu einem Unfall kommen, sei sichergestellt, dass es sich um einen sogenannten Wegeunfall handelt, der von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt ist. „Kommt es hingegen auf der Arbeit zu einem Unfall, braucht sich der Arbeitnehmer wegen seines Versicherungsschutzes keine Sorgen zu machen." Er besteht mit der Arbeitsaufnahme automatisch wieder.

Für ein gesundes Klima am Arbeitsplatz sorgt der „Präsentismus“ hingegen nicht unbedingt: Wer sich zur Arbeit schleppt, obwohl der Arzt ihn krankgeschrieben hat, tut weder sich noch dem Betrieb einen Gefallen. Statistisch gesehen werden solche Arbeitnehmer längerfristig häufiger krank. Ärzte sprechen vom Raubbau am eigenen Körper, oft erhöht ein solcher Umgang mit Kräften und Gesundheit das Risiko eines Burn-outs.

Schon wer einen kleinen Infekt zu lange ignoriert, riskiert bedrohliche Folgeerkrankungen, die sich durch ausreichende Erholung vermeiden ließen. Nicht alle Krankheiten sind in diesem Zusammenhang natürlich gleich riskant. Erscheint man etwa mit verstauchtem Fuß an seinem Arbeitsplatz, ist das weniger problematisch als mit einer Grippe auf engstem Raum – sowohl für die eigene Gesundheit als auch für die der Mitmenschen.

Nicht selten sorgen diese kranken Arbeitnehmer erst recht für Engpässe im Büro oder in der Werkhalle. Denn oft fallen bald auch die angesteckten Kollegen aus – Magen- Darm-Erkrankungen und hochansteckende Grippeviren legen nicht selten auf einen Schlag die restliche Belegschaft lahm.

Bedenken sind auch geboten, wenn noch während der Krankschreibung ein Urlaub ansteht. Zwar spielen Urlaubsziel und Art und Grad der Erkrankung eine Rolle, generell gilt jedoch: Es ist alles verboten, was die Genesung verzögert oder verhindert.

Auf keinen Fall aber sollte man ohne Erlaubnis fahren. Dem muss immer erst der zustimmen, der während der Erkrankung den Lohn weiterzahlt: Sind noch keine sechs Wochen seit der Krankschreibung vergangen, ist der Arbeitgeber zuständig. Später muss bei der Krankenkasse nachgefragt werden.


Wer trotz Erkältung arbeiten geht, sollte ein paar Regeln beachten:

  • Niesen oder husten Sie nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge. Vor allem aber: Husten Sie niemanden direkt an.
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände
  • Lüften Sie in regelmäßigen Abständen das Büro beziehungsweise den Arbeitsraum
  • Halten Sie beim Naseputzen einen "Sicherheitsabstand"
  • Verzichten Sie bei der Begrüßung oder Verabschiedung darauf, anderen die Hand zu schütteln
  • Auch, wenn die Arbeit nicht enden zu wollen scheint: Teilen Sie Ihre Kräfte ein. Powern Sie sich nicht aus, sondern lassen Sie lieber etwas für den nächsten oder übernächsten Tag liegen.
  • Machen Sie kleine Pausen, damit sich ihr Körper wenigstens kurz erholen kann

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