Arbeitsmarkt

Tausende ohne Ausbildungsplatz

Zwischen dem 1. August und 1. September beginnt das neue Ausbildungsjahr und immer noch sind mehr als 150.000 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz. "Von einer wirklichen Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt kann also keine Rede sein", sagt Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. Die Unternehmen müssten endlich ihr Einstellungsverhalten ändern.

Dennis Börsch

Auszubildender in der Lehrwerkstatt

Die Bundesagentur für Arbeit meldet in ihrem Monatsbericht Juli immer noch 157.200 unversorgte Bewerber - das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig seinen 146.600 Lehrstellen noch unbesetzt. Allein rein rechnerisch ergibt das eine Lücke von 10.600 fehlenden Ausbildungsplätzen. Hinzu kommt die Anzahl der Altbewerber, die Jahr für Jahr keine Lehrstelle erhalten und in fragwürdigen Maßnahmen landen.

Verschärft wird die Situation durch die immer geringer werdende Bereitschaft der Unternehmen, selbst auszubilden. 2012 bot nur noch jedes fünfte Unternehmen in Deutschland Ausbildungsplätze an. Mit 21,7 Prozent hat die Ausbildungsbetriebsquote damit den niedrigsten Stand seit 1999 erreicht. Und: Es werden immer weniger Ausbildungsverträgen geschlossen. "Wir erleben einen historischen Tiefstand bei den Abschlüssen von Ausbildungsverträgen", sagt Edeltraud Glänzer. 2013 gab es 551.272 neue Ausbildungsverträge, das sind 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Seit der Widervereinigung war der Wert nur 2005 niedriger als heute.

Um die Lage auf dem Lehrstellenmarkt insgesamt zu verbessern, seien, so Glänzer, die Unternehmen auch gefordert, ihr Einstellungsverhalten zu verändern. Der faktische Ausschluss vieler Ausbildungsberufe für junge Menschen mit niedrigeren Schulabschlüssen müsse endlich beendet werden. Erforderliche Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen oder Regelangeboten müssten entsprechend ausgebaut werden.

"Die Unternehmen dürfen hier nicht aus ihrer Verantwortung genommen werden", sagt Edeltraud Glänzer. "Das regelmäßig wiederkehrende Lamentieren über die mangelnde Ausbildungsreife und das gleichzeitige Nichtstun sind nur schwer zu ertragen."

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