Altersvorsorge

Dennis und die Rente

Dennis ist eine Ausnahme. Zumindest nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung. Denn laut der kümmern sich nur sieben Prozent der 18- bis 24-Jährigen um ihre Altersvorsorge. Drei Beratungstermine hat Dennis deshalb vereinbart: bei der Sparkasse, einer Privatbank und der Verbraucherzentrale. Wer wohl am besten, freundlichsten und individuellsten berät? Hier berichtet Dennis von seinen Erfahrungen.

Bernhard Kreuzer

Azubi Dennis Dennis ist Azubi zum Chemielaborant - und will für seine Rente vorsorgen. Er ließ sich von zwei Banken und der Verbraucherzentrale beraten.
02.09.2013
  • Von: Axel Stefan Sonntag

"Mit der Sparkasse und den Knax-Comics bin ich aufgewachsen. Logisch, dass ich mich als Erstes dort zur Rente beraten lasse. Sparkasse, das heißt für mich Nähe, Kompetenz, Bodenständigkeit. Börsenhaie sind weit weg. In "meiner", ein paar Hundert Meter von meiner Wohnung entfernten Filiale, bekomme ich einen Termin schon drei Tage nach meinem Anruf.

Die Beraterin ist so um die 30, sie wirkt auf Anhieb sympathisch. Ihre Fragen nach Alter, Beruf, Geld und familiärer Situation stellt sie so, dass es nicht unangenehm rüberkommt, obwohl es da schon sehr persönlich wird. Sie verweist auf drei Dinge, die mir künftig, in 47 Jahren (!), meinen Lebensstandard sichern sollen: gesetzliche Rente, betriebliche Rente, private Zusatzvorsorge. Schnell sind wir beim Thema Riester: Weil mir der Staat als junger Mensch 200 Euro Einstiegsprämie schenkt und weil die laufenden staatlichen Zulagen das langfristig interessant machen.

Ihr Vorschlag: Ich soll mehr als 40 Jahre lang monatlich Geld in eine Riester-Versicherung einzahlen. Bei meinem Azubi-Gehalt wären das rund 33 Euro. Dabei hatte ich anfangs gesagt, 20 bis 30 Euro im Monat wäre ich bereit, anzusparen. Die paar Euro mehr sind für mich noch okay. Aber die lange Laufzeit schreckt mich ab. "Wer sagt mir, dass ich das Geld bekomme?", frage ich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Staat irgendwann mal an die Riester-Verträge rangeht", will sie mich beruhigen. Schafft sie das? Sie nennt mir die Möglichkeit, den Riester-Vertrag vorzeitig in den Bau meines eigenen Hauses umzuschreiben. Dann wär ich flexibler. Aber . . . Hausbau? . . . Habe ich das schon auf dem Plan? Ich fühle mich überfordert.

Als nächstes geht es zur Privatbank. Zwei Tage nach meinem Anruf bekomme ich ein Bestätigungsschreiben für einen Termin. Das fängt ja professionell an. Und der Besuch dort . . . besser als erwartet! Helle Räume, alles irgendwie luftig-offen, gar nicht so spießig und vermieft wie ich eine klassische Bank im Kopf habe.

Meine Beraterin ist nicht viel älter als die von der Sparkasse. Wir verstehen uns sofort. Auch von ihr Fragen zur beruflichen Situation, Einkommen, Wünsche und Pläne. Einige Angaben und Papierausdrucke später dann das Ergebnis: Meine "Rentenlücke" summiert sich auf mehr als 1000 Euro. Geld, das mir später fehlen soll.

Skepsis macht sich breit

Ich staune. Die Beraterin unterbricht mein Denken – und empfiehlt mir "zum Einstieg" ebenfalls "Riester", aber einen Versicherungsvertrag auf Fondsbasis. Damit soll ich von den Erfolgen der Börse profitieren. Gleichzeitig soll ich in schlechten Börsenjahren abgesichert sein. Und auch hier: 200 Euro geschenkt vom Staat. Alles in allem hört sich das gut an. Die Überraschung zum Schluss: Die Bank nennt mir einen geringeren monatlichen Sparbetrag als die Sparkasse. Und die Rente soll sogar noch deutlich höher ausfallen? Das macht mich skeptisch.

Also gehe ich mit beiden Angeboten zur Verbraucherzentrale Stuttgart. Sie steht für unabhängige Beratung. Der Nachteil: Ein Gespräch von 90 Minuten kostet 160 Euro. Dafür gibt‘s gleich zu Beginn einen guten Tipp: Ich soll mir mein Ausbildungszeugnis beglaubigen lassen und an die Rentenversicherung schicken. Dann rechnen die mir meine Lehre mit 75 Prozent des Durchschnittseinkommens auf die Rente an.

Dann der Hammer: Vorsicht bei dem, was Sparkasse und Privatbank mir empfohlen haben. "Die Kosten sind unverhältnismäßig hoch und die Fondsqualität ist minderwertig", schreibt der Berater von der Verbraucherzentrale in seiner E-Mail einige Tage nach dem Gespräch. Er bestätigt damit, was er mir schon in unserem Gespräch erklärt hat.

Als "gute Anlage" bezeichnet der Experte dagegen meine betriebliche Altersvorsorge, den ChemiePensionsfonds. "Da sollten Sie unbedingt dabeibleiben, diese Sache lohnt sich für Sie!", schreibt er in der E-Mail.

Zusätzlich empfiehlt er mir, ein kostenloses Konto bei einer Direktbank zu eröffnen, ein kostenloses Depot einzuheimsen und monatlich 25 Euro auf einen Fonds zu sparen. Da kräht auch kein Hahn nach, wenn ich einen Monat mal aussetze. Oder später, wenn die Börse boomt ohne Ende, alles verkaufe.

Trotzdem: Der Termin bei der Verbraucherzentrale hat mich sprachlos gemacht, vielleicht sogar schockiert. Ich frage mich, ob die Vorsorge-Angebote der Banker Abzocke sind. Trotzdem ist mir klar, dass ich handeln muss. Ich denke an meinen Opa, der vor Kurzem in eine schicke Seniorenresidenz eingezogen ist. Die kostet gutes Geld . . .

Fest steht bis jetzt nur: Eine Versicherung schließe ich nicht ab. Und zumindest eine Vorsorge habe ich ohnehin schon: den ChemiePensionsfonds." 

Nach oben